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Auvers-sur-Oise: Van Goghs letzte Tage als Tagesausflug ab Paris

Die Kirche Notre-Dame-de-l'Assomption in Auvers-sur-Oise mit einer Reproduktion von Van Goghs Weizenfeld mit Krähen

Van Gogh hat die letzten siebzig Tage seines Lebens in einem Dorf verbracht, das von Paris aus näher liegt als Versailles. In diesen siebzig Tagen malte er 74 Bilder – die Kirche, das Rathaus, die Kornfelder, den Arzt, der ihn behandeln sollte. Dann ging er in eines dieser Felder und erschoss sich.

Auvers-sur-Oise ist heute ein stilles Dorf an der Oise, und es ist der ungewöhnlichste Tagesausflug, den Paris zu bieten hat. Nicht weil es dort viel zu sehen gäbe – sondern weil Sie hier vor denselben Motiven stehen, auf die er geschaut hat, und weil am Ende des Wegs zwei schlichte Grabsteine nebeneinander stehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Fahrt kostet 2,55 € pro Strecke. Auvers liegt in der Île-de-France, es gilt also der normale Einheitstarif – dasselbe Ticket wie für die Metro. Navigo-Pässe gelten ebenfalls.
  • Ab Gare du Nord etwa 50 bis 60 Minuten mit einmal Umsteigen. Von April bis Anfang November fährt an Wochenenden und Feiertagen ein Direktzug.
  • Montags und dienstags fahren Sie besser nicht. Dann hat fast alles zu, was Van Gogh betrifft.
  • Kirche, Friedhof und die Felder sind kostenlos und immer zugänglich. Das Zimmer, in dem er starb, kostet 10 €.
  • Im Winter ruht das Dorf. Von Ende November bis Anfang März sind die meisten Häuser geschlossen.

Warum ausgerechnet Auvers?

Im Mai 1890 verließ Van Gogh die Klinik in Saint-Rémy-de-Provence. Er wollte zurück in den Norden, näher zu seinem Bruder Theo – und er brauchte einen Arzt. Camille Pissarro empfahl Doktor Paul Gachet, einen Homöopathen in Auvers, der selbst radierte, Bilder sammelte und mit halb Impressionisten-Paris befreundet war. Am 20. Mai 1890 stieg Vincent in Auvers aus dem Zug.

Er nahm ein Zimmer im Gasthaus Ravoux am Rathausplatz – die billigste Unterkunft im Ort, dreieinhalb Francs am Tag – und begann sofort zu malen. In den zehn Wochen, die ihm blieben, entstand mehr als ein Bild pro Tag: die Kirche von Auvers, das Rathaus am 14. Juli, Doktor Gachet mit dem Fingerhutzweig, die Kornfelder über dem Dorf.

Am 27. Juli 1890 ging er mit einem Revolver hinauf in die Felder. Er schaffte es zurück ins Gasthaus und starb zwei Tage später, am 29. Juli, in seiner Dachkammer. Theo, der ihn sein Leben lang finanziert hatte, überlebte ihn nur um ein halbes Jahr.

Anreise: billiger, als Sie denken

Alter SNCF-Waggon am Bahnhof von Auvers-sur-Oise

Am Bahnhof von Auvers steht ein alter Postwaggon. Von hier sind es fünf Minuten ins Dorf.

Das Erstaunlichste an diesem Ausflug ist der Preis. Auvers gehört zur Region Île-de-France, und seit der Tarifreform gilt dort ein Einheitspreis, egal wie weit Sie fahren. Ein Fahrschein kostet 2,55 €, hin und zurück also gut fünf Euro. Wer eine Navigo-Wochenkarte oder einen Navigo Jour hat, fährt ohne Aufpreis mit.

Die normale Verbindung: Transilien Linie H ab Gare du Nord, einmal umsteigen in Valmondois, insgesamt etwa 50 bis 60 Minuten. Tagsüber fahren die Züge etwa alle halbe Stunde. Manche Verbindungen führen stattdessen über Pontoise – die Anzeige am Bahnhof sagt Ihnen, welche.

Der Direktzug: Von Anfang April bis Anfang November fährt an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen ein Zug ohne Umsteigen, der sogenannte Train des Impressionnistes. Er verlässt Paris am Vormittag und bringt Sie in gut 40 Minuten hin; zurück geht es am frühen Abend. Das ergibt etwa acht Stunden vor Ort – mehr als genug. Die genauen Zeiten stehen auf der Seite der Linie H; an einzelnen Wochenenden fällt er aus oder startet später.

Der Bahnhof liegt mitten im Dorf. Vom Bahnsteig bis zum Gasthaus Ravoux sind es fünf Minuten zu Fuß. Ein Auto brauchen Sie nicht, und auf dem schmalen Weg hinauf zum Friedhof wäre es ohnehin nutzlos.

Das Zimmer, in dem er starb

Die Auberge Ravoux steht noch, gegenüber dem Rathaus, und sie ist immer noch ein Restaurant. Hinten führt eine enge Holztreppe hinauf zu Zimmer 5.

Es ist leer. Ein Stuhl, ein Dachfenster, abblätternde Wände – sonst nichts. Kein Bild hängt darin, und das ist Absicht: Nach seinem Tod galt der Raum als «Zimmer eines Selbstmörders» und wurde nie wieder dauerhaft vermietet. Der Besuch dauert keine halbe Stunde und man geht anders wieder hinaus, als man hineingegangen ist.

Praktisch: geöffnet von Anfang März bis Ende November, Mittwoch bis Sonntag, vormittags und nachmittags mit Mittagspause. Der Eintritt kostet 10 €, ermäßigt 8 €, unter 12 Jahren frei. Es wird in kleinen Gruppen eingelassen, im Sommer lohnt eine Reservierung vorab. Im selben Haus gibt es das Restaurant und einen kleinen Buchladen.

Die Kirche, die Sie schon kennen

Die Kirche von Auvers-sur-Oise mit einer Reproduktion von Van Goghs Weizenfeld mit Krähen

Die Kirche von Auvers von der Apsis aus – genau der Blick, den Van Gogh gemalt hat. Davor die Tafel mit dem Weizenfeld mit Krähen.

Fünf Gehminuten den Hang hinauf steht Notre-Dame-de-l’Assomption – die Kirche aus dem Bild, das im Musée d’Orsay hängt. Van Gogh malte sie von hinten, von der Apsis aus, und genau dort steht heute eine Tafel mit der Reproduktion. Man stellt sich davor und vergleicht: Das Gebäude stimmt bis zum letzten Strebepfeiler, nur der Himmel ist auf dem Bild ein anderer.

Das ist überhaupt das Prinzip von Auvers. Das Dorf nennt sich selbst ein Freilichtmuseum, und überall im Ort stehen solche Tafeln an genau der Stelle, an der das jeweilige Bild entstand. Das Fremdenverkehrsamt hat daraus einen markierten Weg gemacht: eine kurze Dorfrunde von rund einer Stunde und eine große Schleife von etwa neun Kilometern. Beides kostet nichts, eine Karte bekommen Sie im Fremdenverkehrsamt im Parc Van Gogh oder als PDF auf dessen Website.

Die Kirche selbst ist eine normale Pfarrkirche und außerhalb der Gottesdienste nicht immer offen – von außen ist sie ohnehin das Motiv.

Die beiden Gräber

Die efeubewachsenen Gräber von Vincent und Theo van Gogh in Auvers-sur-Oise

Vincent und Theo, nebeneinander an der Friedhofsmauer. Die Sonnenblumen bringen Besucher mit.

Vom Kirchplatz führt ein Weg weiter bergauf, aus dem Dorf hinaus, zwischen Mauern und dann zwischen Feldern. Nach etwa dreihundert Metern erreichen Sie den Friedhof. Er liegt oben auf der Hochebene, mitten im Ackerland, und wirkt eher wie ein eingezäuntes Stück Feld als wie ein Friedhof.

An der linken Mauer stehen zwei gleiche, schlichte Steine nebeneinander: Ici repose Vincent van Gogh 1853–1890 und daneben Ici repose Theodore van Gogh 1857–1891. Beide Gräber sind von einem einzigen Efeuteppich überwachsen, und fast immer liegen Sonnenblumen darauf, die irgendwer mitgebracht hat.

Theo lag ursprünglich gar nicht hier. Er starb ein halbes Jahr nach seinem Bruder in einer niederländischen Klinik und wurde in Utrecht begraben. Erst 1914 ließ seine Witwe Johanna ihn umbetten, hierher, neben Vincent. Der Efeu stammt angeblich aus Doktor Gachets Garten.

Der Friedhof ist frei zugänglich und kostet nichts.

Das Kornfeld

Das Feld auf der Hochebene über Auvers-sur-Oise

Die Hochebene hinter dem Friedhof, im April frisch gepflügt. Im Sommer steht hier das Korn.

Gehen Sie am Friedhof vorbei weiter, und nach zweihundert Metern stehen Sie in der offenen Ebene. Das ist das Feld aus dem Weizenfeld mit Krähen – jenem Bild mit dem schwarzen Vogelschwarm und den drei Wegen, das lange als sein letztes galt.

Es ist ein ganz gewöhnliches Feld. Je nach Jahreszeit steht Getreide darauf, oder es ist frisch gepflügt und braun. Genau das macht den Eindruck aus: Man sieht, wie wenig er vorgefunden hat und wie viel er daraus gemacht hat.

Sein tatsächlich letztes Bild war übrigens ein anderes. Baumwurzeln zeigt eine Böschung an der Rue Daubigny, die 2020 anhand einer alten Postkarte wiedergefunden wurde. Die Stelle liegt allerdings auf Privatgrund – Sie können sie von der Straße aus sehen, betreten dürfen Sie sie nicht.

Was es sonst noch gibt

Das Château d'Auvers mit seinem Garten und Brunnen

Der Garten des Château d’Auvers.

Wenn Sie den ganzen Tag bleiben, lohnen sich vier weitere Adressen. Alle haben eigene Öffnungszeiten, und keine davon ist montags offen – prüfen Sie vor der Fahrt, was an Ihrem Wunschtag geht.

  • Haus von Doktor Gachet. Das Haus des Arztes mit dem Garten, in dem Van Gogh mehrfach malte. Geöffnet im Sommerhalbjahr, Mittwoch bis Sonntag, Eintritt rund 5 €.
  • Château d’Auvers. Das Schloss oberhalb des Dorfes zeigt eine große immersive Ausstellung über den Impressionismus und Van Goghs Nachwirkung – Projektionen, Musik, begehbare Räume. Eintritt rund 12 €, ermäßigt etwa 7 €, mit Zeitfenster und Online-Buchung. Dienstag bis Sonntag, montags geschlossen. Der Schlossgarten mit dem Brunnen ist für sich schon einen Umweg wert.
  • Absinth-Museum. Klein, kurios und überraschend gut gemacht – Absinth war das Getränk dieser Maler, und das Museum erklärt, warum. Rund 6 €, im Sommerhalbjahr geöffnet.
  • Daubigny. Charles-François Daubigny lebte hier lange vor Van Gogh und war der Grund, warum Auvers überhaupt ein Malerdorf wurde. Sein Atelierhaus ist an Wochenenden geöffnet, das nach ihm benannte Museum ist derzeit in einem Ausweichquartier untergebracht und kostet nichts.

Das Van-Gogh-Denkmal im Parc Van Gogh in Auvers-sur-Oise

Das Van-Gogh-Denkmal im Parc Van Gogh, gegenüber dem Fremdenverkehrsamt.

Ein Vorschlag für den Tag

Eine Reihenfolge, die ohne Rückwege auskommt und die Steigung an den Anfang legt, solange man noch frisch ist:

  • Ankunft am Vormittag. Vom Bahnhof zum Fremdenverkehrsamt im Parc Van Gogh, Karte holen, am Van-Gogh-Denkmal vorbei.
  • Auberge Ravoux – Zimmer 5, eine halbe Stunde.
  • Mittagessen im Dorf. Das Restaurant im Gasthaus serviert mittags, drumherum gibt es Brasserien; wer will, nimmt ein Picknick mit an die Oise.
  • Bergauf: Kirche, dann Friedhof, dann die Felder. Rechnen Sie mit einer guten Stunde, mit Stehenbleiben eher mehr.
  • Zurück ins Dorf zu Gachets Haus und zum Schloss.
  • Abendzug zurück nach Paris.

Insgesamt kommen Sie auf vier bis fünf Kilometer zu Fuß. Für einen halben Tag reicht die Kernrunde – Ravoux, Kirche, Friedhof, Felder –, dann sind Sie in etwa drei Stunden durch, allerdings ohne Museen.

Wann Sie fahren sollten – und wann nicht

  • Bester Zeitraum: April bis Oktober, Mittwoch bis Sonntag. Am Wochenende fährt der Direktzug, und das Atelier Daubigny öffnet nur dann.
  • Montag und Dienstag meiden. Ravoux, Gachet und das Schloss sind zu. Übrig bleiben Kirche, Friedhof und Felder – schön, aber das halbe Programm.
  • Im Winter schließt fast alles bis in den März. Kirche, Friedhof und die Ebene bleiben natürlich zugänglich, und ein Feld unter tiefem Himmel im Januar hat durchaus etwas. Aber planen Sie dann keinen ganzen Tag.
  • Zu Fuß bergauf: Der Weg zum Friedhof ist eine echte Steigung auf teils unbefestigtem Untergrund. Für Rollstühle und für Reisende, die schlecht zu Fuß sind, ist dieser Teil nichts; der Dorfkern und das Schloss dagegen sind eben.

Wenn Sie über Nacht bleiben wollen

Die meisten fahren abends zurück nach Paris, und das ist auch die vernünftigste Lösung. Wer das Dorf aber am frühen Morgen ohne Tagesgäste erleben will – und das ist ein anderer Ort als um drei Uhr nachmittags –, findet vor Ort ein paar kleine Adressen.

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Und noch ein Gedanke zum Schluss: Wenn Sie in Paris ohnehin ins Musée d’Orsay gehen, machen Sie es in dieser Reihenfolge. Erst Auvers, dann Orsay. Vor der Kirche von Auvers zu stehen, nachdem man zwei Tage zuvor um das echte Gebäude herumgelaufen ist, ist eine ziemlich eigene Erfahrung.

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