Kabarett in Paris: welche Show sich für wen lohnt

Kabaretts von Paris

Ein Kabarettabend ist in Paris keine Kleinigkeit: Die Karten kosten zwischen 50 und 300 Euro pro Person, und die vier Häuser, die es noch gibt, unterscheiden sich stärker, als die Hochglanzfotos vermuten lassen. Der eine Abend ist ein Familienausflug mit Cancan, der andere eine Nacktrevue mit Mindestalter 16. Wer das verwechselt, steht mit Kindern vor der Tür.

Deshalb hier zuerst der Vergleich, dann die Details – und am Ende die Liste der Häuser, die in vielen Reisetipps noch stehen, obwohl es sie nicht mehr gibt.

Die vier Pariser Kabaretts im Vergleich

HausShow abMindestalterNackt­szenenGeschlossen
Moulin RougePreise nur auf Anfrage6 Jahreja, Toplessnie
Crazy Horse75 €16 Jahreja, zentralnie
Paradis Latin90 € (bis 26 J.: 50 €)keines, empfohlen 6nicht angegebendienstags
La Nouvelle ÈvePreise nur auf Anfrage6 Jahrenicht angegebennicht angegeben

Stand: 9. Oktober 2026. Moulin Rouge und La Nouvelle Ève veröffentlichen ihre Preise nicht öffentlich – dort erfahren Sie den Tarif erst im Buchungsschritt oder am Telefon, und beide behalten sich Änderungen jederzeit vor.

Moulin Rouge: das Original

Moulin Rouge in Paris bei Nacht

Das Moulin Rouge braucht keine Werbung. Für viele ist dieser Veranstaltungsort Paris: Geburtsort des Cancan, Treffpunkt der Impressionisten, die roten Mühlenflügel am Boulevard de Clichy. Die Revue heißt „Féerie“, läuft in vier Akten und dauert etwa 1 Stunde 40 bis 1 Stunde 45.

Zwei Vorstellungen pro Abend, sieben Tage in der Woche. Die erste um 21:00 Uhr, die zweite spätabends – der Betreiber nennt dafür an einer Stelle 23:00, an anderer 23:30 Uhr, prüfen Sie das bei der Buchung. Ein Abendessen gibt es nur zur 21-Uhr-Show: Türen ab 18:45, Essen ab 19:00. Die Spätshow läuft ohne Essen.

Drei Dinge, die den Abend kippen können:

  • Die Türen schließen zehn Minuten vor Beginn. Wer später kommt, wird möglicherweise nicht mehr eingelassen – und es gibt kein Geld zurück. Planen Sie großzügig: Eingelassen wird ab etwa einer Stunde vor der Show.
  • Rucksäcke, Koffer und große Taschen kommen nicht hinein, und auch nicht in die Garderobe – nur eine kleine Handtasche. Wer vom Bahnhof kommt, muss das Gepäck vorher loswerden. Die Garderobe selbst kostet 2 € pro Stück.
  • Die Revue enthält Topless-Szenen. Das Haus lässt Kinder ab sechs Jahren in Begleitung Erwachsener herein – es ist also Ihre Entscheidung, nicht die des Türstehers.

Fotografieren und Filmen ist streng verboten, Tickets sind nicht umtauschbar und nicht erstattungsfähig. Für Gäste mit eingeschränkter Mobilität gibt es einen besonderen Zugang und eine Hörhilfe über WLAN – beides muss vorab bei der Reservierung angemeldet werden.

Kleiderordnung: elegant, aber ohne Zwang zu Krawatte und Jackett. Nicht erlaubt sind Shorts, Bermudas, Flip-Flops, Sportkleidung und Sportschuhe, bei Männern zusätzlich ärmellose Oberteile und offene Schuhe. Zu Jeans sagt das Haus nichts – weder ja noch nein.

Adresse: 82 boulevard de Clichy, 75018 Paris, Metro Blanche (Linie 2) – mitten im Pigalle-Viertel. Jeder Taxifahrer kennt den Weg.

Alle Details zu Ticketkategorien, Sitzplätzen und Dresscode haben wir in einem eigenen Artikel gesammelt: Moulin Rouge Paris – Tickets, Dresscode und der beste Sitzplatz.

Show mit Champagner im Moulin Rouge · Moulin Rouge und Seine-Kreuzfahrt im Paket – die Kombination ist günstiger als beides einzeln.

Hotels in der Nähe des Moulin Rouge

Crazy Horse: und hier bitte genau lesen

Crazy Horse Paris, Eingang an der Avenue George V

Das Crazy Horse ist das einzige der vier Häuser mit einem Mindestalter von 16 Jahren, und zwar nur in Begleitung der Eltern. Das steht so auf der eigenen Website, und es ist der wichtigste Satz dieses Artikels: Die Regeln sind eben nicht „überall dieselben“. Wer hier mit einem Zehnjährigen aufkreuzt, hat ein teures Problem.

Der Grund ist das Genre. Im Moulin Rouge ist Topless ein Teil einer großen Ausstattungsrevue; im Crazy Horse ist der nackte Körper das Thema selbst. Der Betreiber schreibt es offen hin und empfiehlt, vorher den Trailer anzusehen – ein guter Rat. Die aktuelle Show heißt „Totally Crazy“ und dauert 90 Minuten.

Spielzeiten: sonntags bis donnerstags 20:00 und 22:30 Uhr, freitags und samstags zusätzlich eine dritte Vorstellung – 19:00, 21:30 und 23:45 Uhr. Auch hier widersprechen sich die eigenen Seiten des Hauses bei der Frage, ob der Freitag zum Wochenendplan gehört, und es gilt der Hinweis „Schedule can be changed at any time“. Kein Ruhetag. Kommen Sie 45 Minuten vorher: eine halbe Stunde vor dem Vorhang treten Gastmusiker auf.

Preise (pro Person, Stand Oktober 2026):

  • Crazy show, nur Show, Getränke extra: ab 75 €
  • Crazy champagne, mit halber Flasche Champagner oder zwei Getränken: ab 90 €
  • Crazy privilege, bessere Plätze: 195 €; Crazy exclusive mit VIP-Platz und Kaviar: 295 € (ab zwei Personen)
  • Studententarif „Young & Crazy“: 40 € nur Show, 50 € mit einem Glas Champagner – nur telefonisch buchbar, Ausweis erforderlich. Das ist der günstigste Kabarettplatz von Paris.

Ein Abendessen im Haus gibt es nicht. Die Dinner-Pakete ab 185 € laufen über das benachbarte Partnerrestaurant Ginger, nicht im Kabarettsaal. Wer in älteren Reisetipps liest, im Ticket seien „Mittagessen und Hoteltransfer mit Guide“ enthalten: Das gehört zu Reiseveranstalter-Paketen, nicht zum Ticket des Hauses.

Rollstuhlgerecht ist das Crazy Horse nach eigener Angabe – bitte vorab melden. Fotografieren während der Show ist verboten, Erstattungen gibt es nicht. Dresscode: Sportkleidung, Sneaker, Flip-Flops und Shorts bitte vermeiden; Anzug und Abendkleid sind nicht Pflicht, aber willkommen.

Adresse: 12 avenue George V, 75008 Paris. Metro Alma-Marceau (Linie 9) oder George V (Linie 1), nahe den Champs-Élysées.

Karten für das Crazy Horse finden Sie hier.

Paradis Latin: das älteste – und das familienfreundlichste

Paradis Latin Kabarett im Quartier Latin

Das Paradis Latin ist älter als die berühmte Mühle: Die ersten Konzerte fanden im Frühjahr 1889 statt, das Moulin Rouge eröffnete im Herbst desselben Jahres. In den 1930ern verfiel das Haus, in den 1970ern fand der neue Besitzer unter dem Putz alte Plakate und über seinem Kopf eine Kuppel von Gustave Eiffel. Seit dem Besitzerwechsel 2018 läuft wieder ein großes Programm, inszeniert von Kamel Ouali.

Die Abendrevue heißt „L’Oiseau Paradis“ und dauert gut 90 Minuten ohne Pause. Der Ablauf: 19:30 Einlass und Pre-Show für Gäste mit Abendessen, 20:00 Essen, 21:00 Einlass für alle anderen, 21:30 Showbeginn, Ende gegen 23:15. Dienstags geschlossen – das einzige der vier Häuser mit Ruhetag. Samstags gibt es eine zweite Vorstellung um 23:45 Uhr (Einlass 23:30, Ende gegen 1:30), dort kostet der Platz 80 €, bis 26 Jahre 50 €.

Preise „L’Oiseau Paradis“:

  • Nur Show: 90 € – unter 26 Jahren 50 €
  • Show mit einem Glas Champagner: 100 €, Kind bis 12 Jahre 50 €
  • Show mit halber Flasche Champagner: 115 €
  • Abendessen und Show: 180 € (Menü Gustave Eiffel) oder 210 € (Menü Prestige), Kind 100 €

Für Familien ist das hier die interessanteste Adresse. Neben der Abendrevue läuft das eigene Kinderprogramm „Mon Premier Cabaret“ ab 3 Jahren, nachmittags, mit Karten von 30 bis 70 € je Kategorie. Es ist saisonal: Ab dem 25. Oktober 2026 steht es wieder auf dem Spielplan, dann mittwochs, samstags, sonntags und täglich in den französischen Schulferien. Auch die Abendrevue hat formal kein Mindestalter, das Haus empfiehlt sechs Jahre.

Und ein praktischer Vorteil, den sonst keines der Häuser bietet: Hier sind Alltags-Sneaker und klassische Jeans ohne Löcher ausdrücklich erlaubt. Verboten bleiben Sportkleidung, Strandkleidung, ärmellose Shirts, Flip-Flops, Shorts und Bermudas. Die Garderobe ist Pflicht und kostet 2 € pro Stück, großes Gepäck kommt nicht herein. Fotografieren während der Show ist verboten; vorher arbeiten Hausfotografen, ein Bild zum Dinner kostet 10 €. Ein Zugang für Gäste mit eingeschränkter Mobilität und angepasste Toiletten sind vorhanden, bitte bei der Buchung angeben.

Adresse: 28 rue du Cardinal Lemoine, 75005 Paris, Metro Cardinal Lemoine (Linie 10) oder Jussieu (Linien 7 und 10), im historischen Quartier Latin.

Tickets für das Paradis Latin im Vorverkauf

La Nouvelle Ève: das kleine vierte

Das vierte Haus kennen die wenigsten, und es ist das kleinste: La Nouvelle Ève in der Rue Pierre Fontaine, zehn Gehminuten vom Moulin Rouge. Die Revue heißt „Paris je t’aime“, dauert 1 Stunde 45 und endet mit einem zwölfminütigen französischen Cancan.

Drei Vorstellungszeiten: Abendessen mit Show ab 18:30, Show mit Champagner oder nur Show um 20:15 oder 22:30 Uhr. Die Türen schließen zehn Minuten vor Beginn. Kinder ab 6 Jahren in Begleitung Erwachsener, einen Kindertarif gibt es ausdrücklich nicht. Preise veröffentlicht das Haus nicht – nur über die eigene Reservierung oder telefonisch. Dresscode wie im Moulin Rouge: keine Flip-Flops, Shorts, Bermudas, Sportkleidung oder Sportschuhe, bei Männern keine ärmellosen Shirts. Rucksäcke und Koffer bleiben draußen, die Garderobe ist kostenpflichtig.

Adresse: 25 rue Pierre Fontaine, 75009 Paris, Metro Blanche oder Pigalle (Linien 2 und 12).

Was es nicht mehr gibt – und in Reisetipps immer noch steht

Dieser Abschnitt erspart Ihnen vielleicht einen vergeblichen Abend. Vier Namen, die in deutschen Paris-Artikeln weiterhin auftauchen:

  • Das Lido ist kein Kabarett mehr. Accor kaufte es Ende 2021, 2022 war mit der Revue Schluss. Das Haus an den Champs-Élysées heißt heute Théâtre du Lido / Lido 2 Paris und ist ein Musicaltheater. Die Bluebell Girls, die dort seit 1946 tanzten, gibt es nicht mehr, und ein „Ticket fürs Lido-Kabarett“ kann man nirgends kaufen. Im Spielplan steht bis 10. Januar 2027 „Singin’ in the Rain“ in der englischen Originalversion, 2 Stunden 50 inklusive Pause, Karten ab 25 €. Ein guter Theaterabend – nur eben kein Cancan.
  • Chez Michou ist geschlossen. Das Travestie-Kabarett in der Rue des Martyrs auf dem Montmartre machte im Juli 2024 nach 68 Jahren zu und ging in die Liquidation. „Michou“ und „Chez Michou“ waren dasselbe Haus, nicht zwei.
  • Don Camilo hat keinen Saal mehr. Der Standort in der Rue des Saints-Pères wurde im Dezember 2023 aufgegeben; der Betrieb sucht laut eigener Website noch nach einem neuen Saal und macht einzelne Veranstaltungen an wechselnden Orten. Adresse und Spielplan aus älteren Artikeln stimmen nicht mehr.
  • Die Folies Bergère sind kein Kabarett. Das Haus ist ein Theater und Musicalspielort – im Programm stehen Musicals, Tanz und Comedy, keine Tänzerinnenrevue. Wer dort „ein Kabarett“ bucht, sitzt in einem Musical.

Die klassische Dreierformel „Moulin Rouge – Lido – Crazy Horse“ ist damit erledigt. Wer heute ein echtes Kabarett mit Revue sucht, hat vier Häuser zur Wahl: Moulin Rouge, Crazy Horse, Paradis Latin und La Nouvelle Ève.

Was in allen Häusern gilt

  • Buchen Sie vorher. Alle vier sind abends regelmäßig voll, und spontan an der Kasse ist es in der Regel teurer.
  • Tickets sind nicht erstattungsfähig und nicht umtauschbar. Das gilt bei allen vier Häusern. Geld zurück gibt es nur, wenn die Vorstellung ausfällt – beim Moulin Rouge und bei La Nouvelle Ève innerhalb von sechs Monaten zu beantragen.
  • Fotografieren und Filmen während der Show ist überall verboten.
  • Großes Gepäck ist überall ein Problem, und die Garderobe ist meist kostenpflichtig – rechnen Sie mit 2 € pro Stück.
  • Sportschuhe sind die häufigste Abweisung. Nur das Paradis Latin erlaubt sie ausdrücklich. Im Zweifel: geschlossene Schuhe, lange Hose.
  • Kommen Sie früher als nötig. Die Türen schließen vor Showbeginn, und ein zu spät gekommenes Ticket ist verloren.

Wenn Sie nach Paris gekommen sind, um etwas zu erleben und nicht nur Monumente abzuhaken, ist ein Kabarettabend das Geld wert – vorausgesetzt, Sie buchen das Haus, das zu Ihrem Abend passt. Falls Sie mit Kindern unterwegs sind, führt der Weg praktisch immer ins Paradis Latin.

Viel Spaß bei der Show!

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