Alles Wissenswerte über Teezeremonien in Japan

Fragt man jemanden, auch wenn er mit Japan nicht vertraut ist, welche Assoziationen der Name des Landes bei ihm hervorruft, so fallen ihm wahrscheinlich unter anderem Sushi, Samurai, Sashimi und grüner Tee ein. Japan ist zwar nicht der größte Teeproduzent der Welt, aber hier hat sich eine raffinierte Tradition der Teezubereitung und des Teetrinkens entwickelt, die Chado genannt wird, der „Weg des Tees“. Können auch Sie an echten Teezeremonien in Japan teilnehmen? Wir erzählen Ihnen, wo, bei wem und wann die Zeremonien abgehalten werden und wo Uneingeweihte hingehen dürfen.

Hier finden Sie zum Beispiel ein beliebtes Angebot für eine Teezeremonie in Shibuya.

Wie wurde der Tee in Japan populär?

Tee wurde nicht immer in Japan angebaut. Niemand weiß genau, wer ihn vom Festland mitgebracht hat. Es wird allgemein angenommen, dass buddhistische Mönche um das 7. Jahrhundert herum den Tee zusammen mit ihren Lehren einführten. Die Mönche nutzten ihn als Opfergabe für Buddha und nahmen das Getränk auch während der Meditationsstunden zu sich, um Körper und Geist zu beleben. Im Laufe der Zeit wurde der Tee durch den Buddhismus auch in der herrschenden Klasse des mittelalterlichen Japans populär. 

Tatsächlich wurden viele wichtige politische Entscheidungen in Japan auf Teepartys getroffen, an denen nur eine begrenzte Anzahl mächtiger Adliger teilnahm. Gleichzeitig behielt die Teezeremonie einige ihrer spirituellen, meditativen und poetischen Aspekte bei.  Allmählich wurde die Form der Zeremonie in Richtung strikter Einfachheit und Eleganz verfeinert, bei der keine Bewegung überflüssig war. Die Zeremonie wurde traditionell von einem Teemeister geleitet – dies ist inzwischen ein eigener, hoch angesehener Beruf. Für die Zeremonie werden viele spezielle Utensilien verwendet, die in der Regel von Kunsthandwerkern nach traditionellen Techniken hergestellt werden. 

Teezeremonien in Japan heute

Heutzutage sind die Teezeremonien nicht mehr so förmlich (wie zu Zeiten der Samurai), aber sie bieten immer noch die Möglichkeit, eine uralte Tradition zu erleben.

Von den sechs Arten der traditionellen Teezeremonie hängen fünf direkt von der Tageszeit ab, zu der sie abgehalten wird, und nur eine ist an andere Parameter gebunden. Diese spezielle Rinji Chanoyu-Zeremonie wird zu Ehren eines besonderen Gastes, zur Würdigung einer schönen Landschaft oder zur Feier eines Wiedersehens veranstaltet. Professionelle Teemeister haben auch heute noch einen speziell eingerichteten Tatami-Raum in ihrem Haus, in dem sie die Zeremonie durchführen.

In traditionellen Parks gibt es einen Teeraum oder sogar ein ganzes Teehaus, in das die Meister zu besonderen Anlässen kommen. Hier ist wirklich alles wichtig. Die Farben der Wände eines solchen Raumes, die Tatami und alle Gegenstände der Zeremonie betonen die Einheit mit der Natur, oder besser gesagt, sie erinnern uns daran, dass sie eine Erweiterung der Natur sind. Die Schuhe bleiben außerhalb des Teeraums. Der Teemeister oder auch die Teemeisterin trägt in der Regel einen Kimono und weiße Tabi-Socken, und wenn es sich um eine Frau handelt, ist ihr Haar mit speziellem Saisonschmuck geschmückt. Die traditionellen Süßigkeiten, die oft zum Tee gereicht werden, haben ebenfalls die Form von Blumen oder Blättern der Saison. In einer Nische in der Tokonoma-Wand werden Blumen platziert, um die Jahreszeit der Zeremonie zu unterstreichen. Darüber hinaus dient das Tokonoma auch als Platz für eine Schriftrolle mit entsprechenden Sprüchen und Weihrauch. 

Die Teezeremonie ist als allumfassendes Erlebnis konzipiert, das viele Sinne gleichzeitig anspricht, um Frieden und Harmonie zu schaffen.

Ein weiteres Erlebnis, bei dem Sie enspannen und gleichzeitig die Tradition Japan hautnah erleben können, sind die japanischen Bäder. Lesen Sie unseren separaten Artikel darüber

Welche Art von Tee wird bei einer japanischen Teezeremonie getrunken?

Es ist Tradition, während der Zeremonie Matcha-Tee zu trinken. Das Getränk wird nach einer streng festgelegten alten Methode aufgebrüht und mit einem speziellen Bambusbesen umgerührt. Er wird aus kleinen Tassen und nicht in sehr großen Mengen getrunken – es geht vor allem darum, den Geschmack zu genießen und nicht zu viel zu trinken. Selbst wenn Sie Matcha-Tee zu Hause trinken, ist es wahrscheinlich, dass der Geschmack bei der Zeremonie deutlich anders und ausgeprägter sein wird.

Japan hat seine eigene traditionelle Teekultur, mit seltenen Sorten auch für Kenner mit vielen Feinheiten. 

Wie kann man am besten an einer Teezeremonie teilnehmen?

Die Städte Kyoto und Uji (eine kleinere Stadt in der Nähe von Kyoto) sind am berühmtesten für ihre Teezeremonien, aber auch in Tokio gibt es Teehäuser, die diese Aktivität für ausländische Touristen durchführen.

Wenn Sie einen Besuch im historischen Asakusa-Viertel planen (was wir Ihnen dringend empfehlen), können Sie beispielsweise an einer Teezeremonie im Jidaiya teilnehmen, das nur eine Minute Fußweg vom Donnertor (Kaminarimon) entfernt liegt. Teezeremonien werden auch in Shibuya abgehalten.

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Insgesamt gibt es viele verschiedene Angebote – verschiedene Gruppengrößen, Optionen für Paare und Familien, mit Kimono-Verleih, der Möglichkeit, die Teezubereitung selbst zu erlernen oder einfach dem Meister zuzusehen. Wählen Sie aus, was Sie interessiert und wozu Sie Lust haben. Was den Zeitpunkt betrifft, so hängt alles davon ab, welche Option Sie bevorzugen. Eine Teezeremonie mit Umkleiden dauert bis zu zwei Stunden, während eine einfachere Version etwa eine Stunde in Anspruch nimmt. 

Der Preis kann sehr unterschiedlich sein – von 25 bis 600 Euro! Hier finden Sie einige gute Angebote, die wir empfehlen können: 

Zum Beispiel eine Teezeremonie in der Komaba Warakuan

Oder Sie möchten sich fühlen, wie ein echter Japaner und wählen eine Zeremonie im Kimono.

Unter diesem Link können Sie eine private Teezeremonie buchen und somit alles im kleinen Kreis genießen.

Wenn Sie zur Teezeremonie gehen, lassen Sie alle Ihre Sorgen zusammen mit Ihren Schuhen hinter der Türschwelle zurück. Seien Sie ruhig während der Zeremonie. Lauschen Sie den Klängen der Utensilien in den Händen des Teemeisters, bewundern Sie die einfachen und leicht rauen Keramiken in ruhigen Farben und die eleganten Häppchen, die das Auge erfreuen. Und dann kehren Sie ganz anders in die irdische Welt zurück und betrachten sie mit den Augen der Eingeweihten.

 

Willkommen in Japan und eine schöne Teeparty!

 Autorin: Viola Brazhnikova

 

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